Leben mit Depressionen
 



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Eff off, you bitch!

Es ist ja nun nicht so, als hätte man als depressiver Mensch gar nichts mehr zu lachen. Ich kann durchaus noch lachen. Manchmal sogar so sehr, dass mir die Luft wegbleibt, mein Kopf knallrot wird und ich hinterher Nasenbluten bekomme. Das habe ich erst gestern Abend noch ausprobiert.

 

Und heute Vormittag? Da liegen meine Nerven schon wieder blank, ich bin müde und gereizt. Es fing schon damit an, dass ich nach dem Aufstehen ein bisschen zu sehr geärgert wurde. Auch die anderen Verkehrsteilnehmer auf meinem Weg zur Arbeit haben nicht dazu beigetragen, mir den Tag zu verschönern. Einzig interessant war die Tatsache, dass da plötzlich freilaufende Kühe am Straßenrand standen und ich so schnell nicht sehen konnte, ob da irgendein Mensch als Aufpasser dabei war oder eben nicht. Dennoch liegen meine Nerven blank und meine Laune lässt zu wünschen übrig.

Ich messe die Intensität meiner Probleme übrigens mit Hilfe der von mir erfundenen Britenskala. Wenn ich überhaupt nicht reagiere, ist alles in Ordnung. Keine emotionalen Einbrüche zu erwarten.  Wenn ich lachen muss, dann ist es noch besser. Stabile Gefühlslage. Kritisch wird es, wenn ich wütend werde. Katastrophal ist es dann, wenn ich auf der Stelle in Tränen ausbrechen könnte. Eine glatte 10 auf der Britenskala. Mein gestriges Tageslevel, mein heutiges Vormittagslevel. Es ist erst kurz nach 10 und ich würde mich am liebsten heulend irgendwo verkriechen. Wahlweise möchte ich jemandem wehtun. Vorzugsweise "dem Briten" und seiner Freundin. Vor allem seiner Freundin, dieser dämlichen Sumpfkuh.

 

Vor der Kiwikuh war der Brite mein bester Freund und Seelenverwandter. Dann ging er für (vorgesehene) 3 Monate nach Neuseeland, traf nach einer Woche auf die Kiwikuh. Nach ungefähr einer Woche und zwei Tagen war ich vergessen. Kann alles passieren, wenn man auf einmal am Ende der Welt und frisch verliebt ist. Anfangs habe ich mich ja auch noch für ihn gefreut. Bis ich das erste Foto von ihr gesehen habe und feststellte, dass sie so aussieht wie ich - nur eben kleiner und dicker. Seitdem habe ich ein ernsthaftes Problem mit dieser Person. Ich kann sie nicht leiden. Sie ist dämlich. Sie hat mir meinen besten Freund weggenommen. Dabei würde ich ihn heute gar nicht mehr als Freund in meinem Leben haben wollen. Er ist manipulativ, cholerisch und irgendwie ein echtes Arschloch. Dennoch... Britenskala.

Über den Berg bin ich erst dann, wenn ich neue Fotos sehen kann und nicht mehr losheulen will.

31.7.13 10:22


Solidarität?

Muss ich als depressiver Mensch meinen Leidensgenoss(in)en gegenüber ein besonderes Maß an Solidarität an den Tag legen?

 

Ich sehe das nicht so. Ich habe genug damit zu tun, mich selbst einigermaßen über Wasser zu halten und bin dabei zumindest ein klein wenig auf Hilfe bzw. Unterstützung von außen angewiesen. Ich möchte ein positives Umfeld haben, möchte mich mit fröhlichen oder zumindest zufriedenen Menschen umgeben. Ich will kein Gejammer und keine Dramen mehr, die sich doch nur ständig wiederholen. Ich will einfach niemanden mehr um mich haben, der sich in seiner Rolle als passives Opfer gemütlich eingerichtet zu haben scheint.

Natürlich ist die Welt schlecht und böse und gemein. Aber sie ist zu jedem schlecht und böse und gemein. Menschen werden gemobbt. Menschen kriegen die Kurve beim Abnehmen nicht. Menschen sind jahrelang unfreiwillig Single. Menschen haben keine Freunde. Menschen sind unglücklich mit ihrem Job. Menschen leiden unter Depressionen. So läuft das eben manchmal. Und immer läuft es so, dass sich ständig wiederholendes Gejammer nichts an der Situation ändert. Genauso, wie ein Verdängungsmechanismus die Probleme nicht verschwinden lässt. Das "Nichtwahrhabenwollen" eines Problems sorgt halt nicht dafür, dass dieses sich in Luft auflöst. Man muss schon auch etwas dafür tun, statt immer nur zu nölen. Vor allem aber muss man sich eingestehen, dass es da ein Problem gibt und man womöglich nicht einfach allein damit fertig wird / fertig werden kann.

 Es ist schwer, sich gegen Mobbing zu wehren. Aber es ist relativ einfach, sie nach einem neuen Job umzusehen. Es ist keine Option, einfach gar nichts zu machen und sich ständig über seinen derzeitigen Job zu beschweren.

Es ist schwer, konsequent Gewicht zu verlieren. Aber es ist relativ einfach, in aller Ruhe nach einer für sich selbst passenden Methode zu suchen. Niemand muss zwingend etliche Kilometer die Woche joggen oder sich beim Yoga die Beine verknoten. Man kann mit dem Rad fahren, einen zügigen Spaziergang machen oder einfach im Schwimmbad seine Bahnen ziehen. Niemand muss von jetzt auf gleich eine Sportskanone sein und binnen kürzester Zeit sein Gewicht drastisch reduzieren. Das ist nämlich schwer bis unmöglich. Viel einfacher ist es, sich auf einen langen weg voller kleiner Schritte einzustellen. Wenn der komplette Verzicht auf Zucker eine zu große Hürde darstellt, kann man ja einfach erstmal den Zucker im Kaffee weglassen. Wenn die 20 Bahnen im Schwimmbad unüberwindbar sind, reichen auch erstmal 5. Aber faul auf dem Sofa sitzen, in einer Tour Chips und Schokolade futtern und dann über das zu Hohe Gewicht klagen? Nö.

 

Ich habe das selbst alles schon hinter mir und bin seitdem wohl etwas überheblich geworden. Wenn ich unter einer Situation leide, habe ich genau zwei Möglichkeiten.

1.) Ich kriege meinen Hintern hoch und kämpfe gegen die Probleme an. Wenn es dann schwer ist, langsam geht oder manchmal einfach nur zum Kotzen ist, kann man ruhig mal fluchen, schimpfen, heulen.

2.) Ich mache gar nichts und bade in Selbstmitleid, aber dann halte ich gefälligst auch den Mund.

 

Solidarität mit Leidensgenossen? Nö.

30.7.13 10:39





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