Leben mit Depressionen
 



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Solidarität?

Muss ich als depressiver Mensch meinen Leidensgenoss(in)en gegenüber ein besonderes Maß an Solidarität an den Tag legen?

 

Ich sehe das nicht so. Ich habe genug damit zu tun, mich selbst einigermaßen über Wasser zu halten und bin dabei zumindest ein klein wenig auf Hilfe bzw. Unterstützung von außen angewiesen. Ich möchte ein positives Umfeld haben, möchte mich mit fröhlichen oder zumindest zufriedenen Menschen umgeben. Ich will kein Gejammer und keine Dramen mehr, die sich doch nur ständig wiederholen. Ich will einfach niemanden mehr um mich haben, der sich in seiner Rolle als passives Opfer gemütlich eingerichtet zu haben scheint.

Natürlich ist die Welt schlecht und böse und gemein. Aber sie ist zu jedem schlecht und böse und gemein. Menschen werden gemobbt. Menschen kriegen die Kurve beim Abnehmen nicht. Menschen sind jahrelang unfreiwillig Single. Menschen haben keine Freunde. Menschen sind unglücklich mit ihrem Job. Menschen leiden unter Depressionen. So läuft das eben manchmal. Und immer läuft es so, dass sich ständig wiederholendes Gejammer nichts an der Situation ändert. Genauso, wie ein Verdängungsmechanismus die Probleme nicht verschwinden lässt. Das "Nichtwahrhabenwollen" eines Problems sorgt halt nicht dafür, dass dieses sich in Luft auflöst. Man muss schon auch etwas dafür tun, statt immer nur zu nölen. Vor allem aber muss man sich eingestehen, dass es da ein Problem gibt und man womöglich nicht einfach allein damit fertig wird / fertig werden kann.

 Es ist schwer, sich gegen Mobbing zu wehren. Aber es ist relativ einfach, sie nach einem neuen Job umzusehen. Es ist keine Option, einfach gar nichts zu machen und sich ständig über seinen derzeitigen Job zu beschweren.

Es ist schwer, konsequent Gewicht zu verlieren. Aber es ist relativ einfach, in aller Ruhe nach einer für sich selbst passenden Methode zu suchen. Niemand muss zwingend etliche Kilometer die Woche joggen oder sich beim Yoga die Beine verknoten. Man kann mit dem Rad fahren, einen zügigen Spaziergang machen oder einfach im Schwimmbad seine Bahnen ziehen. Niemand muss von jetzt auf gleich eine Sportskanone sein und binnen kürzester Zeit sein Gewicht drastisch reduzieren. Das ist nämlich schwer bis unmöglich. Viel einfacher ist es, sich auf einen langen weg voller kleiner Schritte einzustellen. Wenn der komplette Verzicht auf Zucker eine zu große Hürde darstellt, kann man ja einfach erstmal den Zucker im Kaffee weglassen. Wenn die 20 Bahnen im Schwimmbad unüberwindbar sind, reichen auch erstmal 5. Aber faul auf dem Sofa sitzen, in einer Tour Chips und Schokolade futtern und dann über das zu Hohe Gewicht klagen? Nö.

 

Ich habe das selbst alles schon hinter mir und bin seitdem wohl etwas überheblich geworden. Wenn ich unter einer Situation leide, habe ich genau zwei Möglichkeiten.

1.) Ich kriege meinen Hintern hoch und kämpfe gegen die Probleme an. Wenn es dann schwer ist, langsam geht oder manchmal einfach nur zum Kotzen ist, kann man ruhig mal fluchen, schimpfen, heulen.

2.) Ich mache gar nichts und bade in Selbstmitleid, aber dann halte ich gefälligst auch den Mund.

 

Solidarität mit Leidensgenossen? Nö.

30.7.13 10:39
 
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